(Last Updated On: 26 Januar 2022)

Ist Mehrsprachigkeit bei Autismus kontraindiziert?

Wir haben untersucht, ob die Wahl der Sprache mit der sozialen Kompetenz von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zusammenhängt. 

Dieses Projekt wurde von Maïte Franco  im Rahmen ihrer Masterthesis in Psychologie unter der Aufsicht von Dr. Andreia Costa aus der Gruppe Health and Behaviour des Department of Behavioural and Cognitive Sciences durchgeführt.

WARUM MEHRSPRACHIGKEIT UND SOZIALE KOMPETENZ?

Viele Eltern von Kindern mit ASS werden über die Sprache, die sie in der Interaktion mit ihrem Kind verwenden sollen, beraten (z.B.: wird ihnen empfohlen sich auf eine Sprache zu beschränken). Wissenschaftliche Untersuchungen legen jedoch nahe, dass die Empfehlung an die Eltern ihr Kind einsprachig zu erziehen nicht ausreichend wissenschaftlich gestützt werden kann und dass Mehrsprachigkeit nicht schädlich ist, sondern für Kinder mit ASS sogar von Vorteil sein kann. Insbesondere im Hinblick auf soziale Fähigkeiten und Beziehungen legen einige Untersuchungen nahe, dass Eltern weiterhin in ihrer Muttersprache mit ihrem Kind kommunizieren sollten, auch wenn dies zu einer zwei- oder mehrsprachigen Kommunikation führt. 

Obwohl diese Ergebnisse im Hinblick auf den sozioökonomischen Status mit Vorsicht zu interpretieren sind, hat sich gezeigt, dass Mehrsprachigkeit bei Kindern mit normaler Entwicklung mit größerer Aufmerksamkeit, besseren exekutiven Funktionen und einer größeren Hemmungskontrolle, persönlicher Bereicherung, kultureller Weitergabe und sozialen Vorteilen verbunden ist. Daher besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder mit ASS sich die gleichen Vorteile zu Nutze machen könnten.  

Das „Language Socialization Paradigma“ besagt, dass Spracherwerb und Sozialisationsprozesse integriert sind. Ein Kind wird also nicht nur zum Gebrauch einer Sprache sozialisiert, sondern auch durch die Sprache sozialisiert. Dies würde bedeuten, dass die Sozialisierung eines Kindes mit den verwendeten Sprachen zusammenhängt. In dem Wissen, dass die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten bei Kindern mit ASS eingeschränkt sind, könnte die Analyse dieses Verhältnisses schließlich dazu genutzt werden, diese Fähigkeiten zu trainieren und die Unterstützung der betroffenen Familien und Kinder zu verbessern.  

WARUM DIESE BEZIEHUNG IN LUXEMBURG UNTERSUCHEN?

Viele Länder sind multikulturell geprägt, und es wird immer schwieriger, die Einsprachigkeit aufrechtzuerhalten – insbesondere in Luxemburg, einem Land, das so reich an Kulturen und Sprachen ist. In Luxemburg wird vielen Eltern geraten, sich darauf zu beschränken, mit ihrem Kind nur Französisch zu sprechen. Französisch ist eine Amtssprache und erleichtert die Betreuung und therapeutische Unterstützung. Da jedoch viele der betroffenen Familien nicht die französische Staatsangehörigkeit besitzen und sich selbst nicht als Muttersprachler betrachten, kann dies zu Unsicherheiten, Ängsten und Komplikationen in Bezug auf den Kontakt zu ihren Kindern führen.  

Luxemburg bot die notwendigen Voraussetzungen für diese Forschung und wird in der Lage sein, die notwendigen Informationen für die Analyse der Beziehung zwischen Mehrsprachigkeit und sozialen Fähigkeiten von Kindern mit ASS zu liefern, um die Beratung und Unterstützung dieser Bevölkerungsgruppe zu verbessern. Dies ist nicht nur für die betroffenen Familien wichtig, sondern auch für ihre Betreuer und das pädagogische und therapeutische Personal, das sie unterstützt. 

DIE STUDIE

Die meisten der oben genannten Forschungsarbeiten über Kinder mit ASS beruhen auf Einzelfallstudien. Daher sollte im Rahmen des Forschungsprojekts in einer größeren Stichprobe untersucht werden, welche Auswirkungen Mehrsprachigkeit auf die sozialen Fähigkeiten und Beziehungen von Kindern mit ASS haben kann.

Die Daten für diese Untersuchung wurden mittels eines Online-Fragebogens erhoben, der in deutscher, englischer und französischer Version angeboten wurde. Der erste Teil des Fragebogens enthielt Fragen zu den demographischen Daten des Elternteils/Vormund bzw. des Kindes, zu den Sprachkenntnissen und der Bildung des Elternteils/Vormund und des Kindes sowie zur Elternteil/Vormund-Kind-Beziehung.  Der Fragebogen enthielt auch den Autismus-Spektrum-Quotienten – Kinderversion (AQ-Kind), die zweite Ausgabe der Skala für soziales Reaktionsvermögen (SRS-2) und einige selbst konstruierte Fragen zum Wohlbefinden der Eltern/Vormunde. Der Fragebogen musste von einem Elternteil oder Vormund des Kindes ausgefüllt werden.

Diese Studie wurde von der Ethikkommission der Universität Luxemburg genehmigt: ERP 20-019 SSMCA 

KONTAKT

Wenn Sie weitere Informationen über diese Studie erhalten möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter autisme@uni.lu oder hier:


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